A H3R0 | Log In - Teil 2

Log In - Teil 2

"<Succeeded>" ist die Nachricht, die in der Konsole zu lesen war. Ihr Spiel lief. Es kam nicht oft vor, dass nach längerer Zeit programmieren alles ohne Fehler funktionierte. Meist musste sie stundenlang Zeilen oder sogar ganze Dateien umschreiben, doch heute ging alles glatt. Sie stand auf, machte es sich in ihrem quietsch-pinken Plüsch-Bürostuhl bequem und rollte ein wenig in ihm herum. Ihre Mutter fand ihn schon immer schrecklich. Doch Svenja nahm immer als Ausrede, dass sie sowieso immer der Meinung wäre ihr Zimmer sei 'viel zu trist' eingerichtet und dass dieser Bürostuhl das ganze doch ein wenig aufheitern würde. Er gab ihrem Zimmer die positive Atmosphäre zwischen den ganzen Bleistiftskizzen und den Texten, die überall an ihren Wänden hingen. Dies war die Atmosphäre, die sie unbedingt zum Nachdenken und Arbeiten brauchte. Sie mochte eigentlich gar kein Pink. Sie mochte eigentlich überhaupt gar keine Farben. Aber in diesen Stuhl hatte sie sich sofort verliebt.

Sie vergrub ihre Füße unter den Kabeln, die wild und ungeordnet unter ihrem Schreibtisch lagen. Eines dieser Kabel ging vom Netzanschluss hoch zum gegenüberliegenden Schrank, auf dem ihr Server stand. Sie hatte das Kabel mithilfe einer Wäscheleine durch das komplette Zimmer gespannt. Auf ihrem Schreibtisch war für dieses Monster nicht genügend Platz und sie fand außerdem, dass es es sinnlos wäre, Geld für eine extra Mehrfachsteckdose auszugeben, wenn es doch auch so klappte. Sie zog sich an ihren Schreibtisch heran und startete den Server über das kleine Kommando-Fenster. Es liefen viele Zeilen grüner Statusnachrichten über den schwarzen Bildschirm. Sie mochte die grüne Schrift. Es sah dadurch viel professioneller aus.

„Server läuft", murmelte sie. Nun startete sie den Client, das Spiel, das mit dem Server und der dazugehörigen Datenbank kommunizierte. Der Login Bildschirm erschien und im Hintergrund sah man die Flagge von Asthasia. Es war eine schöne Flagge, fand sie. Zwei gekreuzte Schwerter und in der Mitte ein Auge mit einem Tropfen Blut als Pupille auf dunkelrotem Grund. Asthasia. So hatte ihr Vater ihre Welt genannt. Es war der perfekte Name. Sie konnte sich keinen anderen oder besseren Namen vorstellen, mit der sie die ganzen Drachen, Ritter, Königinnen, Könige und der ganzen Landschaft verbinden konnte.

Sie gab ihre Account-Daten ihres Test-Accounts ein und drückte auf den Login Knopf und der Server fing an zu rattern. Ein kurzer Blackscreen. Dann erschien in weißen Buchstaben die Meldung: "Schließen Sie Ihre VR-TECH An Ihr Gerät An." Sie kramte ihre VR-Brille aus ihrer Schublade und schloss sie an. Die Meldung verschwand und Svenja sah langsam und in Großbuchstaben ein Menü vor ihr aufblitzen, in dem sie nun endlich ihren Charakter erstellen konnte. Sie wählte eine tapfere Kriegerin mit Schwert und Dolch. Sie erstellte den Charakter ein wenig muskulöser als sie selbst es war. Zudem schaute das Gesicht des Charakters viel grimmiger, als ihres. Am Kopf des Charakters hingen ihr die langen braunen Haare zu einem geflochtenen Zopf herunter. Sie musterte ihren Charakter noch einmal und drückte auf “OK". Eine weitere Meldung tauchte auf: "Setzen Sie Nun Ihre VR-TECH Auf Und Aktivieren Sie Die Sensoren". Ihre VR-Brille blinkte grün auf und sie zog sich den Haltegummi der Brille um den Kopf. "Sitzt...", murmelte sie.

Mit dem Knopf an den Kopfhörern der VR-Brille aktivierte sie die Sensoren und mit ein paar Bewegungen nach links und rechts waren zwei der drei Sensoren kalibriert. Ihr Charakter erschien in einem großen, weißen Raum und sie sah ihre Kriegerin geneigt von oben. Jetzt kam für sie der spannende Teil. Die Kalibrierung der sogenannten „Gedankensteuerung" und des dritten Sensors. Sie war fasziniert von der Technik und war gespannt ob es so gut funktionierte wie sie es immer in der Werbung erzählten.

"Stellen Sie Sich Vor, Sie Würden Eine Gerade Strecke Laufen" Die Kamera fuhr in den Kopf ihres Charakters, sodass sie die Szene aus einer Ego-Perspektive sah und sie stellte sich konzentriert vor, wie sie langsam einen Fuß vor den Anderen setzte. Sie versuchte klar und natürlich zu denken und sendete ihrem Gehirn die Informationen, dass sie laufen würde. Es waren keine Gedanken in Form von Wörtern. Sie stellte sich nur vor, wie sie langsam gerade aus ging. Sie versuchte sich vorzustellen, dass ihre Beine sich bewegen würden. Ein Schritt. Tatsächlich. Nach einigen Gedanken fing ihr Charakter an sich zu bewegen. Vor Begeisterung quietschte sie kurz und hielt sich dann vor Schreck über ihren Laut grinsend eine Hand vor den Mund.

Nun versuchte sie zu springen und nach einigen versuchen sprang der Charakter. "Faszinierend", entfuhr es aus ihrem Mund und fühlte sich ein wenig wie Spock, bei der Entdeckung eines neuen Planeten.

Nach der Kalibrierung kam sie in ein Menü mit der Überschrift "Meine Spiele". Zwischen all den vorinstallierten Spielen, wie PacMan-VR, Tetris-VR und Solitaire-VR entdecke sie nun auch das Wappen von Asthasia. Doch waren keine Knöpfe in dem Menü. Instinktiv stellte sie sich vor wie sie nach dem Wappen griff. Genau in diesem Moment wurde das Icon mit dem Wappen markiert. Sie zuckte kurz vor Schreck. Der Bildschirm wurde hell und dann plötzlich ganz schwarz.

Ihr Kopf fing an zu schmerzen. Ein Stechen bohrte sich in ihren Schädel. Ihre Hände wurden immer kälter und gefühlloser. Sie wurden taub. Nicht nur ihre Hände, ihr ganzer Körper wurde taub. Sie bekam kaum noch Luft. Sie griff sich an ihren Hals und röchelte. „Luft. Licht. Fuck!", dachte sie und nachdem sie einen blauen Blitz in ihrem Auge wahrnahm wurde alles schwarz.

„Tree“, gebe ich in die Eingabeaufforderung ein.
Die verpixelten grünen Buchstaben rieseln den Bildschirm herunter.
Es versammeln sich mehrere Schüler um mich.
Ich genoss die Aufmerksamkeit.
„Frau Bauer! Frau Bauer!“, höre ich einen kleinen Jungen von hinten rufen.
„Dieses Mädchen hackt! Ist das nicht illegal?“.
Kurz darauf befinde ich mich im Rektorat.
Alles Noobs.

Svenja ~ Flashback. 2010.  

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