A H3R0 | Igra, die Kriegerin der Salphynen - Teil 2


Igra, die Kriegerin der Salphynen - Teil 2


Igra wusste, dass es unvorteilhaft war, eine solche freundschaftliche Bindung zu einem Pferd aufzubauen. Sie wusste es ganz genau. Im Kampf wurden die Pferde immer als erstes angegriffen, erstochen, mit Pfeilen durchbohrt und erbarmungslos getötet. Es warvom Angreifer eigentlich taktisch gut durchdacht. Erst das Pferd, dann der Feind. Ohne ein Pferd waren Krieger nicht halb so schnell unterwegs und ein viel einfacheres Ziel.

Aber Varna war ihr ein und alles. Igra würde ihn schützen. Auch wenn es ihr Leben kosten würde. Sie würde für ihn durch die Hölle gehen.

Ihre Tattoos bedeckten ihren von Narben übersäten Körper. Diese Narben waren von Kämpfen, die sie gewonnen hatte. Nur die kleine Narbe links unten an ihrem Hals, diese hatte sie aus der garnodischen Gefangenschaft. Sie glänzten auf ihrer blauen Haut durch die weißen, leicht rot gefärbten, transparenten Kopffedern eines Hippogryphen, die auf ihre fast durchsichtigen Leinentücher genäht waren. Diese Federn waren ein guter Schutz im Gefecht, sie waren leicht wie Luft, klapperten nicht und waren nicht so kalt wie Metall. Sie schmiegten sich an jeden Körper an und ließen trotzdem weder Pfeile noch Klingen hindurch dringen. Der mit Federn überzogene Stoff klebte an ihrem Körper. Man nannte sie "Xarnax ra gra" Die Kriegerin mit dem weißen Schild. Nicht nur, weil der Umhang aus einem der robustesten Materialien auf dem Planeten gemacht worden war. Es gingen Gerüchte um, sie hätte göttliche Kräfte. Aber Igra wusste es besser. Doch sie lies sie Reden, es brachte einiges an Respekt bei ihren Feinden. An ihrem Gürtel hing neben ihrem Schwert gut versteckt ihr Adams-Revolver. „Gara har trax“, stand in salphynisch auf dem Lauf eingraviert. Die Buchstaben wurden kunstvoll mit Rosen umspielt und rankten herunter bis zu dem Griff.

Igra schwitzte an ihren Händen. Sie schwitzte trotz der Kälte in diesem Wald. Vielleicht war es die Nervosität, vielleicht war es auch nur die Angst. Nein, Igra war eine Kriegerin der Salphynen. Sie verspürte keine Angst. Vielleicht ein wenig Respekt. Aber nein, keine Angst. Nicht vor so ein bisschen Nebel.

Ihr tiefschwarzes Haar, schwärzer als jede Rabenfeder und sogar als Varnas Mähne, wehte durch den Wind, während sie auf einen mit kleinen Kiesel aufgeschütteten Weg in eine Lichtung abbog.
Die Hufe Varnas klackerten leise auf dem Weg. Ganz plötzlich zügelte Igra ihr Pferd, stieg von ihm und führte ihn langsam rechts an den Rand des Weges. Schleifspuren und wild und ungeordnete Fußabdrücke waren in der Erde neben dem Weg zu sehen. Ein wenig weiter war eine lange Schleifspur im Boden, die wieder tief in den Wald führte. Am Anfang dieser Spur war die Erde rot gefärbt und kleinere Büsche waren zertrampelt und ausgerissen worden.

Vorsichtig ging sie zu dem roten Fleck in der Erde. Ihre Hand glitt vorsichtig zu Boden und nahm eine Handvoll rote Erde. Sie roch daran, führte dann ihre Zungenspitze zu dem Klumpen und schmeckte an ihm. "Tod", zischte sie und spuckte auf den Boden, um den metallenen Geschmack aus dem Mund zu bekommen. Es war noch ganz frisch. Sie hasste den Geschmack von Blut. Zu oft musste sie ihn schmecken. Oft auch ihr eigenes Blut. Varna bemerkte, dass Igra unruhig war und trabte nervös auf der Stelle. Sie blickte zu den Fußspuren und zählte die undeutlichen und verwischten Schritte in der Erde. Es war schwer zu erkennen, da die spuren schon sehr verwischt waren und die Person keine Schuhe trug, doch ihr Verdacht hatte sich bestätigt. Die Spuren waren nur von einem Paar Füße.
"Wir müssen aufpassen, sie sind ganz nah", sie strich ihrem Pferd über die Wangen um es zu beruhigen. Varna schnaubte und schmiegte sich an ihre Hand. Seine schwarzen Augen glänzten zwischen dem ebenso schwarzen Fell hindurch. Dieser Blick erfüllte Igra mit einer Wärme, die ihr Mut machte. Er spürte ihre Angst, richtete sich selbstbewusst auf und stellte sich vor sie. "Du brauchst mich nicht zu beschützen”, sagte sie lächelnd, während sie über sein Fell streifte. Varna schnaubte und stupste sie mit seiner Schnauze an. Igra streichelte ihn noch einmal kurz an seinen Pferdewangen und schwang sich dann auf ihn.

Langsam ritten sie von der Lichtung tiefer in den Wald. Igra wollte sie sehen. Sie wollte diese Biester mit ihren eigenen Augen sehen. Sie wollte in diese abscheulichen Gesichter dieser Monster schauen und sich vorstellen, wie sie sie vernichtete. Diese Biester hatten dem Land schon viel zu viel Leid gebracht. Igra spürte einen flammenden Hass in sich. Sie sah es noch vor sich, als stünde sie mitten drin. Die Kinder- und Frauen- Leichen, die schreienden Mütter, die verbrannten Dörfer und rennende Jugendliche die aus ihren brennenden Hütten sprangen.

All das hatte sie selbst gesehen. Doch die Biester, die dafür verantwortlich waren, hatte sie nie zu Gesicht bekommen. Mit Gallahad und seinen gefährten stand sie an dem Dorf Zyrowian welches nähe des Grenzturms in Vantagra lag. Doch es war schon zu spät. Sie hatten das Dorf schon nieder gebrannt. Zyrowian, welcehs früher mal ein fröhliches und aufblühendes Dorf war, war nun ein riesiger verseuchter Aschehaufen. Es war das erste mal, dass Igra sah, wie ein ganzer Stamm fast komplett vernichtet wurde und sie hatte nichts dagegen tun können. Sie sah das Leid und wie das grüne Gift aus dem Boden qualmte. Es tat weh zu sehen, wie wenige noch von ihnen überlebt hatten. Von den viertausend Bewohnern überlebten nur 387. Es tat weh das mit anzusehen. Es schmerzte in ihrem Herz.

Warum bekämpften sich die Stämme denn noch untereinander, wenn man doch einen viel größeren und gemeinsamen Feind hatte?

Der Hass brodelte in ihr. Igra beugte sich nach vorne und flüsterte: "Wir finden sie heute Varna... Sie sind bestimmt noch irgendwo hier. Wir beschatten sie und finden ihre Schwächen. Dann berichten wir Gallahad von allem!" Ihre Fersen berührten Varna erneut und das treue Pferd verstand. Varna lief so schnell sie konnte den Weg entlang.

Der Weg war lang und Varna ritt der Schleifspur nach, weiter und tiefer in den Wald. Es wurde immer dunkler und die Äste lagen immer Enger über ihren Köpfen. Der Kieselweg wurde zu einem Trampelpfad der nicht danach aussah, als würde er oft benutzt werden. Igra verstand die Lichtlinge nicht, die nur in diesen dunklen Wäldern zuhause waren. Aber nicht in diesen. Nicht in den Wäldern in der nähe des verbotenen Landes. Hier war es zu gefährlich. Sie waren ein friedliches Volk und eher im Westen sesshaft. Weit weg von den politischen Problemen und dem Krieg lebten sie. Manchmal beneidete Igra sie. Ein Volk der Worte und des Handels waren sie. Sie erkauften sich den Frieden und das war gut so.

Plötzlich ohne dass Igra es ahnte, sprangen hinter ihnen drei dunkle Gestalten aus den Baumkronen.

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